Kho Phi Phi und meine erste russische Party



Drei Tage, ein paar wunderschöne Sonnenuntergänge und meine ersten Berührungen mit thailändischem Essen später ist der Morgen meiner Weitereise von den Sea Dreamer Beachfront Apartments direkt nach Phuket town angebrochen.
Beim Erwachen nehme ich sofort die bekannte Stimme meines russischen Nachbarn war. Laut und euphorisch schleudert er mit Sicherheit liebevoll gemeinte Worte in die Hemisphäre, die ich wegen meiner unzureichenden Russischkenntnisse nicht verstehen kann. Seine Frau antwortet in der mir ebenfalls nicht geläufigen Sprache nicht minder euphorisch. Noch halb im Schlaf stopfe ich mir meine earpods in die Ohren und starte meine allmorgendliches Ritual der Meditation. Rund 20 Minuten später nehme ich sie lächelnd und erfüllt wieder heraus und lausche. Nichts! Die beiden scheinen wohl endlich schlafen gegangen zu sein, schießt es mir durch den Kopf. Ich schaue auf mein Handgelenk: 09:45 Uhr - sportliche Leistung dieser Flüssigkeitsmarathon. Die russischen Damen und Herren können einfach viel mehr ab als wir. 

Gerade als ich aus dem Bett steige, ertönt die Stimme von Juri so nahe und laut bei mir, dass ich fast vor Schreck gegen die Wand laufe. Hektisch sehe ich mich im Zimmer um, dann donnert es draußen im Wohnzimmer gegen die Eingangstür. Stocksteif stehe ich da. Da ich so gekleidet bin, wie Gott mich geschaffen hat, kommt mir nicht im Traum der Gedanke, an die Tür zu gehen. Abermals ein lautes Pochen gefolgt von für mich unverständlichen Worten. Ich reagiere nicht. Dann höre ich wie Juri resigniert im Weggehen etwas auf die andere Seite des Gebäudes brüllt, unmissverständlich um seiner Liebsten das Scheitern seiner Mission mitzuteilen. Im Augenwinkel erspähe ich durch die halbgeöffnete Schlafzimmertür, wie Juri ein wenig wankend den Strand entlang zurückschreitet. Tatsächlich ist sein Gang alles andere als stabil. Vielleicht ist ihnen das Bier ausgegangen und er wollte sich freundlich nach Nachschub erkundigen?! Kurz überlege ich, die noch im Kühlschrank verbliebene Flasche nach drüber zu bringen,  lasse den Gedanken jedoch los, mache mir Kaffee und Müsli und steige anschließend unter die Dusche. 

Begleitet von Musik und Juris lautem Organ vergeht die Stunde bis zum Checkout um 11 Uhr wie im Flug. Zum Abschied bekomme ich dann nochmals ein Geschenk von Juri in Form eines grotesken Bildes. Als ich mit gepacktem Backpack auf dem Weg zur Tür bin, torkelt Juri am Strand gen Wasser in mein Sichtfeld. Neugierig halt ich inne. Dann - kaum im Wasser angekommen - kommt ihm offenbar sämtliches Körpergefühl abhanden und er fällt wie ein getroffenes Ziel ohne Abbremsen dem Wasser entgegen. Im Grunde sieht es aus, als habe er kapitulierend jegliche Selbstbeherrschung bereitwillig abgelegt und seinen Körper der See übergeben. Halb erschrocken, halb belustigt ab diesem skurrilen Szenario lege ich meinen Rucksack ab und laufe zur Balkontür, in der Absicht wenigstens sicherzustellen, dass mein liebgewonnener erster Nachbar nicht ein Opfer von Luftmangel werden würde. Gerade als ich die Balkontür aufreiße und hinaustrete, erscheint seine bessere Hälfte kopfschüttelnd auf der Bildfläche und lässt sich neben ihm ins Wasser sinken. Juri geht es gut, schon hat er sich auf seine Arme gestützt und mein letztes Bild dieser traumhaften Kulisse von Palmen und Meer wird von meinen beiden im seichten Gewässer sitzenden Lieblingsnachbarn komplettiert, die gerade dabei sind, die Arme umeinander zu schließen. Mein Herz macht einen freudigen Hüpfer und ich wende mich zur Tür.

Old Phuket Town unter Tage

Old Phuket Town - Nacht-Streetfood-Markt am Sonntag

Nach einem zweitägigen Aufenthalt in Phuket town, in welcher ich vor allem den all sonntägig stattfindenden Nacht-Streetfood-Markt empfehlen kann, bin ich nach Kho Phi Phi weitergereist - eine wunderschöne Insel mitten in der Adamanensee zwischen Phuket und Krabi. Abi aus New Zealand sitzt neben mir in der mit Touristen beladenen Fähre. Wir haben uns letzte Nacht in einer Bar kennen- und liebengelernt und so er hat sich spontan entschieden, mich zu begleiten. Er ist braungebrannt und bereits seit rund zwei Monaten unterwegs. Da er zwar deutlich jünger als ich, doch sehr reif in seiner Art ist, was möglicherweise damit zu tun hat, dass sein bisheriges Leben eine einzige Reise gewesen ist, verstehen wir uns prächtig. So fühlt es sich also an, einen Travelbuddy zu haben - einfach toll.
Abi wohnte während seiner Kindheit und Jugend nie länger als drei Jahre an ein und demselben Ort - geschweige denn im selben Land, da sein Vater beruflich ständig umzog und die Familie mit sich nahm. Aufregend und seltsam muss es sein, keine richtige Heimat zu haben. "The world is my home", beantwortet er meine "Wo-ist-dein-Zuhause-Frage" und klingt dabei beinahe pathetisch. 

Zwei Stunden später laufen wir in den kleinen Hafen der Insel ein - ein wahrlich paradiesischer Anblick. Palmen, Sand, davor im Wasser treibt ein thailändisches Langheckboot neben dem anderen - das sogeannte Ruea Hang Yao. Der erste Eindruck bestätigt sich, als wir den Pier verlassen und uns direkt in dem am Strand gelegenen Stadtzentrum befinden. Keine Autos, stattdessen viele kleine Geschäfte, Streetfoodstände, Massagestudios und Restaurants. Der touristische Anstrich dieser Insel lässt sich nach den ersten hundert Metern nicht leugnen. Sehr viele nobel aussehende Hotels bieten ihre Beherbungsdienste an, abgesehen auf das wohl überwiegend europäisch wirkende Publikum, das sich in den kleinen Gassen tummelt. Auch einfache Unterkünfte für Backpacker gibt es zuhauf.
Die Schönheit dieses Ortes ist ebenfalls unbestreitbar: Türkisblaues funkelndes Wasser, sehr feiner Sand, grün bewachsene Berghänge mit Inselkuppen und Palmen so weit das Auge reicht. Bis hierher also alles richtig gemacht, denke ich und klopfe mir innerlich auf die Schulter.

Ich bringe Abi in sein Hostel, da sein Handy keinen Saft mehr hat und während der Überfahrt den Geist aufgegeben hat, und schlendere anschließend zu meiner Unterkunft. Direkt davor befindet sich ein Street Market mit verschiedenen Essensständen. Check-In and relax, bevor ich mit Abi zum Abendessen und einer Nacht aufbreche, die so keiner von uns erwartet hätte. Die folgenden Tage gleichen einem abwechselnden Rausch zwischen Feiernächten und Erholung.  

Ankunft auf Kho Phi Phi


  

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