Tag 13 - Peace Lanta Mansion oder ein Ort der Magie



Da ich zwischenzeitlich die Unterkunft weg von bellenden Hunden und frühauf
stehenden Muezzins hin zu meinem bis dato absoluten Lieblingsplatz gewechselt habe, sind ein paar Tage verstrichen, weswegen ich nun retrospektiv berichten kann. Da mir das in unserer westeuropäischen Hochleistungsgesellschaft nicht wegzudenkende Zeitgefühl längst den Mittelfinger gezeigt und sich grinsend von Dannen gemacht hat, genieße ich das Dasein ohne die Anwesenheit der einsteinschen Relative, spüre an diesem Ort jedoch  besonders die Tragweite seiner berühmten These.
Bei meiner Ankunft in der "Peace Lanta Mansion" schossen mir zunächst zwei Gedanken durch die Frontallappen. Der eine war "Wo bist du denn hier gelandet?", der andere "Ne ernsthaft jetzt, wo bist du hier gelandet?"

Dabei begann meine Anreise bereits mit einem kuriosen Zufall - oder vielmehr einer in Zufallsfarben gekleideten Manifestation -, nämlich in Form derselben Tuk-Tuk-Taxi-Fahrerin, die mich bei der Ankunft auf dieser schönen Insel durch ihre Hartnäckigkeit beeindruckt und in ihr Gefährt gelockt hatte. Als ich meine Unterkunft in Richtung Hauptstraße verlasse und meiner netten Gastmutter zurufe, dass hier so viele Taxis auf und ab fahren, dass sie mir beileibe keines rufen müsse, ahne ich noch nicht, wen ich gleich treffe. Umso erstaunter schaue ich drein, als rund 30 Sekunden später, denn länger dauert es bei der Vielzahl an Tuk-Tuk-Taxis, die auf dieser Straße verkehren, nicht, um freundlich angehupt zu werden, wer mir da entgegenlächelt. "100 Baht", sagt sie lächelnd, was für die high-Season absolut in Ordnung ist. 
Kleiner Tipp am Rande: Auch hier nicht auf das erste Angebot eingehen, feilschen ist hier absolut in Ordnung und führt meistens zu einem geringeren Angebot.
Zurück zur "Peace Lanta Mansion", die ein Paradebeispiel dafür verkörpert, wie falsch man geleitet sein kann, wenn man sich nur auf seinen ersten Eindruck verlässt. Es ist ein großes, offenes Haus im Grünen, mit offenem Gemeinschaftsraum und Rezeption. Was mich zunächst so irritierte, waren die etwas heruntergekommen und sehr kleinen Bungalows auf der rechten Seite, die in keinem Fall die so beeindruckenden Bewertungen auf booking.com hervorgerufen haben konnten. Als ich aus dem Beiwagen steige, sehe ich bereits "El Champione", wie ich meinen Gastvater später noch kennenlernen werde, der auf einer der Bänke im vorderen Bereich des Aufenthaltsraumes liegt und auf seinem Handy herumtippt. "Hello, my friend!" Er springt auf. Das muss er also sein, über den so viele nette Kommentare im Internet kursieren. Sein Lächeln ist schon einmal einnehmend, sein Bauch schwer vernarbt.
Wir gehen zur Rezeption. Seine erste Handlung besteht darin, mir für einen wirklich nicht nennenswerten Betrag ein Zimmerupgrade offeriert. Dann führt er mich zu selbigem und mein erster Eindruck beginnt sich nun vollends zu verflüchtigen. Das Zimmer ist groß, zweigeteilt und klimatisiert. Obendrein bietet es alles, was man für einen längeren Aufenthalt benötigt. Und ich werde mich hier länger aufhalten, so viel sei schon einmal verraten.



Der Beach ist fußläufig rund zwei Minuten entfernt, der Weg dorthin von einem weitläufigen, bewachsenen Gelände mit einer gewaltigen Anzahl sehr hoch gewachsener Palmen gesäumt. Auch hier sind wie an jedem Ort, den ich bisher in Thailand bereist habe, einige freilaufenden Katzen, die jedoch im Normalfall allesamt sehr zutraulich und zahm sind. Auch einige Kühe stehen auf dem uneingezäunten Gelände und blicke mit treuen, entspannten Augen vom Grasen auf, als ich grüßend vorbeigehe. Der Strand unterscheidet sich von Konsistenz und Farbe ein wenig von denen auf Kho Phi Phi und Phuket, jedoch fühle ich mich sogleich an Jamaika oder Hawaii erinnert, ohne jemals dort gewesen zu sein, denn am Strand angekommen befindet sich rechter Hand eine großräumige, zum Wasser hin ausgerichtete offene Bar komplett aus Holz, die mit allerlei Fahnen, Sitz- und Liegemöglichkeiten, Billardtisch und Reggea-Musik ausgestattet ist. Hier kann man sich bestimmt wohl fühlen, denke ich und mache mich auf, den Strand zu erkunden, denn linker Hand scheint er sich soweit zu erstrecken, dass man das hinter einer kurve liegende Ende nicht sehen kann. Spoiler: Das Ende ist keines.


Rund acht Minuten später um die Ecke gebogen erstreckt sich vor mir der bist dato größte Strand ohne absehbares Ende, welcher links von vielen Lokalitäten gleich der eben beschriebenen und rechts von den heranströmenden Wellen des Ozeans zu einem spektakulären Gesamtbild zusammengefasst wird. Tipp: An einigen Abenden in der Woche finden hier in den sogenannten Mushroom-Bars Partys statt. Mushrooms gibt es hier zwar immer, doch gerade an solchen Abendveranstaltungen werden den meist alkoholisierten Gästen die Strahlkräfte dieser magischer Pilze offeriert, nicht selten mir unguten Folgen. Daher am besten: Finger weg davon!
"El Champione" wird mir hierzu an einem der Abende, an denen wir gemeinsam zu Abend essen (seine Frau ist eine hervorragenden Köchin), eine interessante Geschichte erzählen, die ich hier jedoch nicht ausbreiten möchte. Es sei verraten, dass eine splitternackte Touristin, die genannten Pilze und eine Menge Glück die Hauptrollen einnehmen.

Als ich von meinem Strandspaziergang zurückkehre und im nahegelegenen 7-11 (die größte Supermarktkette Thailands, mittlerweile über 12.500 Filialen) ein paar Dinge eingekauft habe, erwartet "El Champione" mich bereits und fragt mich, ob ich mit ihm zu Abend essen möchte, seine Frau habe gekocht. Als ich neben ihm Platz nehme, kommt plötzlich ein hübsches blondes Mädchen um die Ecke und "El Champione" winkt auch sie an den reichlich gedeckten Tisch heran. Nach wenigen Augenblicken wird mir klar, dass die beiden sich bereits länger kennen und dies wohl ein gängiges Ritual sein muss, dass hier jeder mitessen darf, der gerne möchte. 
Das Mädchen stellt sich mir als junge Finnin vor und beginnt sogleich von der Unterkunft zu schwärmen. Ihr Freund sei bereits seit 6 Woche an diesem Ort, sie selbst seit vier. Und dies obwohl, sie beide zu Beginn nur zwei Nächte gebucht hatten. Sie hätten jedoch immer wieder verlängert, was immer problemlos funktioniert hatte, da sie sich einfach nicht loseisen konnten. Das familiäre Klima dieses Ortes wird mir nun immer mehr gewahr. Als ich später auch ihren Freund kennenlernen darf, kommt mir der Gedanke, dass es vielleicht der Magie dieses Ortes geschuldet ist, der auf seine ganz eigene Weise Menschen zu sich zieht, dass deren gegenseitiges Begegnen für alle Beteiligten stets vom Vorteil gekennzeichnet ist. Der nächste Morgen soll diese anfängliche Annahme über die schicksalsbehaftete Auswahl der Gäste bestätigen. 

Tipp: Ca. 10 Gehminuten von der der Peace Lanta Mansion entfernt befindet sich der "Beautiful beach", ein wunderschöner Strand an dem es sich lohnt, den ein oder anderen Sonnenuntergang anzusehen oder Schwimmen zu gehen. Das ist dieser hier:


Geheimtipp: Biegt man auf dem Weg zum "Beautful beach" links ab und folgt einem unscheinbaren Pfad links in den scheinbaren Dschungel hinein, gelangt man nach ein paar Minuten zu diesem geheimen Strand, der nur zu Fuß erreichbar ist:

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